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Streit in der Friedensbewegung über Widerstand im Irak?

Über unfaire Versuche von „Friedensforum“ und „Zivilcourage“ aus einer sensiblen Debatte politisches Kapital zu schlagen

Das ARD-Magazin Panorama strahlte am Donnerstag den 11.12. abends einen skandalösen Beitrag über die mutmaßliche Unterstützung des bewaffneten Widerstands im Irak durch die hiesige Friedensbewegung aus. Es entstand eine heftige Diskussion in der Friedensbewegung, die wir auf einer Sonderseite mit entsprechenden Links dokumentierten.

Jürgen Grässlin, Bundessprecher der DFG/VK hatte sich als erstes - ohne Stellungnahmen der Betroffenen abzuwarten - mit einer Presserklärung "Widerstand ja - aber gewaltfrei!" auf das Thema gestürzt, sekundiert durch seinen Sprecherkollegen Felix Oekentorp Widerstand Ja - Aber ausschließlich Gewaltfrei. Alle, die sich nicht vom militärischen Widerstand distanzieren, sollten ihrer Meinung nach aus der Friedensbewegung exkommuniziert werden. Jürgen Grässlin spricht ihnen nur den Humanismus ab, für Felix Oekentorp sind sie sogar Verbrecher.

Als die indische Schriftstellerin Arundhati Roy Rede der dem 4. Weltsozialforum in Mumbai feststellte "Feiertagsproteste stoppen keine Kriege" und einen weltweiten Widerstand gegen die Besatzung des Iraks forderte, geriet auch sie ins Visier der DFG/VK -Sprecher. Obwohl sie in ihrer Rede ein ausgereiftes gewaltfreies Widerstandskonzept vorgestellte, warfen sie Arundhati Roy vor, sie spalte die Globalisierungsbewegung und liefere "den Besatzern die Legitimation für weitere Gewaltakte". Stein des Anstoßes war die Forderung, die "Bewegung müsse Teil des Widerstands im Irak werden". Damit legitimiere sie auch den militärischen Widerstand, so Jürgen Grässlin. "Frau Roy nimmt damit die gezielte Verstümmelung oder Ermordung von Menschen im Irak in Kauf". Dass dies Roys Rede auf den Kopf stellt, kann jeder sehen, der sie komplett liest. In der autorisierten Druckfassung war die Stelle, um Mißverständnisse zu vermeiden, auch geändert worden (s. einleitende Bemerkung zum Redetext Roys), Auch in seinem folgenden offenen Brief, mit dem er die Gemüter zu beruhigen suchte, nimmt Grässlin die Vorwürfe nicht zurück. Statt sich mit dem Inhalt der Rede Roys zu befassen betreibt er Wortglaubereien.

In den im Februar erschienen Ausgaben der Zeitschriften „Friedensforum“ und „Zivilcourage“ legten Felix Oekentorp und Stefan Philipp (beide DFG/VK) noch einmal auf recht unfaire Weise nach. Die Angegriffen kamen nicht zu Wort. Ein vom "Friedensforum" parallel zu Oekentorp angeforderter Diskussionsbeitrag von Joachim Guilliard wurde nicht abgedruckt, er sei zu apologetisch.
Joachim Guilliard faßt in seinen Anmerkungen die Kritik an der unfairen Behandlung des Themas zusammen und stellt einige sich daraus ergebende Fragen.

Helmut Woda, VVN-Karlsruhe hat sich die Mühe gemacht und den Themenartikel-Artikel von Stefan Philipp einer gründlichen Untersuchung unterzogen und in einer Synopse zusammengefasst.

Wir sind sehr wohl für Meinungsstreit, aber nicht für Spaltungsversuche - eine Stellungnahme zum angeblichen Streit in der Friedensbewegung.


Die wichtigsten Dokumente im Überblick:

Ein Beispiel für die zuvor schriftlich geführte Diskussion war die Debattenseite im Neuen Deutschland v. 16.1.2004
„Friedensbewegung für totale Gewaltfreiheit?“
Jürgen Grässlin
Wider die Eskalationsspirale von Terrorismus und Staatsterrorismus
Joachim Guilliard
Die offizielle Propaganda nicht hinnehmen

Die geschmähte Rede von Arundhati Roy auf dem 4. Weltsozialforum in Mumbai
Feiertagsproteste stoppen keine Kriege

und die Reaktionen darauf:


Angriffe gegen Joachim Guilliard beziehen sich auch auf die IMI-Studie vom Nov. 2003 (insbesondere auf den Schluß)
Irak - Die neue Phase des Krieges
Die ist eine ausführliche Abhandlung über den Irak nach der Invasion, sehr viel kürzer ist die im Neuen Deutschland, am. 6.12.2003 erschiene Version:
Kreative Zerstörung ist unsere zweite Natur
Washingtons Strategen, das Besatzungsregime und der Widerstand im Zweistromland


ergänzende Artikel: