An die
Leitung der Katholischen Stadtkirche Heidelberg
Merianstraße 2,
69117 Heidelberg
stadtkirche@kath-hd.de
Offener Brief
zum Hausverbot für Generalkonsul Russlands auf der Heidelberger
Friedenskonferenz am 13. Juni 2026
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Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Dr. Fletschinger,
wir sind bestürzt darüber, dass die Katholische Stadtkirche
Heidelberg dem Generalkonsul der Russischen Föderation die Teilnahme
an einer Friedenskonferenz in ihren Räumen verboten hat.
Die Konferenz am 13. Juni findet zum 85. Jahrestag des Beginns des
deutschen Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion am 22. Juni
statt. Wir halten das Gedenken an die dabei verübten verheerenden
Verbrechen des deutschen Faschismus für wichtig und begrüßen das
Erinnern an die sich daraus ergebende besondere deutsche
Verantwortung für die Völker der damaligen Sowjetunion. Es ist ein
passender Hintergrund um über Wege zum Frieden in der Ukraine und
zur Entspannung in Europa zu diskutieren.
Die Bundesregierung zeigt bisher wenig Interesse an ernsthaften diplomatischen Gesprächen mit Moskau und Vertreter Russlands werden sogar von offiziellen Veranstaltungen zum Gedenken an Krieg und Faschismus in Deutschland ausgeschlossen. Daher halten wir die Einladung eines offiziellen Vertreters an einem solchen Gedenktag für wichtig, um zivilgesellschaftlicher Impulse dafür zu geben. Aus unserer Sicht hätte sich daraus eine fruchtbare Diskussion mit ihm und den anderen Referenten über Ansätze zur Wiederbelebung des dringend notwendigen deutsch-russischen Dialogs ergeben können. Mit Michael von der Schulenburg, der in vielen Friedensmissionen der UNO leitend im Einsatz war, Arno Gottschalk vom Erhard-Eppler-Kreis und Theodor Ziegler von der evangelischen Initiative „Sicherheit neu denken“ repräsentieren diese ein politisch breit gefächertes friedenspolitisches Knowhow.
Ein Hausverbot gegen einen Vertreter Russlands bei einer solchen Veranstaltung anlässlich des 22. Juni zeugt zunächst von einer erschreckenden geschichtsvergessenen Respektlosigkeit, angesichts dessen, was faschistische Banden und die deutsche Wehrmacht den Völkern der Russischen Föderation angetan haben. Die Verhinderung eines Dialogs mit ihm erscheint auch konträr zum Friedensgebot der Kirche und insbesondere den Bemühungen von Papst Leo XIV, der wie auch sein Vorgänger Franziskus, unermüdlich zu Verhandlungen und zum Dialog aufruft. Will die Katholische Stadtkirche stattdessen der immer häufigeren „Cancel Culture“-Praxis folgen, die Gegenseite nicht mehr zu Wort kommen zu lassen?
Als Leitung der Katholischen Stadtkirche begründen Sie ihre Weigerung, einen offiziellen Repräsentanten reden zu lassen, damit, dass Russland im Ukrainekrieg der Aggressor ist und einen fürchterlichen Krieg führt. Doch warum sollen dessen Ausführungen nicht dennoch interessant sein. Die tatsächlichen russischen Positionen zum Krieg und möglichen Verhandlungslösungen sind in Deutschland weitgehend unbekannt. Sie zu diskutieren ist sinnvoll und noch lange keine Verbreitung russischer Propaganda.
„Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden“, ist eine kürzlich erschienene ökumenische Friedensschrift zutreffend überschrieben. Die Autoren Ralf Becker, Karen Hinrichs, Heinrich Schäfer und Theodor Ziegler erinnern darin an Jesus Feindesliebe. Dies heiße auch, die Sicherheitsinteressen des Gegenübers kennenzulernen und darüber zu sprechen, inwieweit die gegen das Versprechen an Gorbatschow vorgenommene NATO-Osterweiterung Anlass für den Ukrainekrieg sein kann, als ein „Balken im eigenen Auge“.
Zudem führen auch die USA und Israel völkerrechtswidrige Angriffskriege, ohne dass ihren Vertretern Auftritte in Deutschland verwehrt würden. Wir glauben nicht, dass Sie gegenüber einem US-amerikanischen oder israelischen Repräsentanten dieselbe Haltung eingenommen hätten.
Die Lage in Europa spitzt sich dramatisch zu. Europa und Russland würden bereits in Richtung eines offenen Krieges schlittern, warnt der renommierte Ökonom und Diplomat Jeffrey Sachs und appelliert an Bundeskanzler Merz, endlich Diplomatie gegenüber Russland zu suchen, anstatt den Krieg zu normalisieren.
Russland ist unser europäischer Nachbar. Für eine stabile Friedensordnung in Europa müssen wir wieder zu einer Verständigung kommen. Sollten die Kirchen sich angesichts dessen nicht einer Politik entgegenstellen, die von Kriegslogik und Freund-Feind-Denken dominiert wird? Wäre es nicht Aufgabe christlicher Gemeinden und Initiativen, sich gegenüber einem Land, das von der herrschenden Politik als Gegner gesehen wird, mit Respekt zu öffnen, seine Sichtweise anzuhören, sich zu bemühen, auch seine Positionen zu verstehen und schließlich zu vermitteln zu suchen?
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