George Pumphrey

Rede anlässlich der Demonstration "Solidarität mit Palästina"

13. April 2002

Ich spreche zu Euch als US-amerikanischer und französischer Staatsbürger in Solidarität mit Palästina.

Liebe Friedensfreunde,

Israel ist die größte Militärmacht im Nahen Osten und besitzt nukleare, chemische und biologische Massenvernichtungswaffen. Israel missachtet alle UN-Resolutionen und bricht Tag für Tag jede Norm des internationalen Völkerrechts. Israel ist dabei, die größte ethnische Säuberung seit 1948 durchzuführen.

Der Kampf zwischen Besatzern und Besetzten ist ein ungleicher Kampf. In einem Aufruf vieler jüdischer und nicht-jüdischer Franzosen, heißt es:

"die israelische Bevölkerung zahlt den Preis für die Besatzungspolitik ihrer Regierung mit dem Tod von immer mehr unschuldigen Zivilisten. Für Israel gibt es keine Hoffnung auf ein Leben in Frieden und Sicherheit, solange es sein Nachbarvolk in die Verzweiflung treibt."

Nur die Regierung Scharon profitiert von den Terrorattentaten gegen israelische Zivilisten. Scharon hat schon seit langem bewiesen, dass der Tod von Zivilisten eine Waffe ist in seinem Kampf. Er benutzt sie, um seinen täglichen Staatsterrorismus als "Vergeltung" darzustellen.

Die Empörung über die Verbrechen Israels wächst weltweit. Die israelische Regierung hat Angst, dass immer mehr Menschen ihre Stimme für Gerechtigkeit erheben und sich auf die Seite der Palästinenser stellen.

Jede Kritik an den Verbrechen Israels soll mit dem Antisemitismus-Vorwurf eingeschüchtert und zum Schweigen gebracht werden. Die Kritik an israelischer Politik ist nicht Antisemitismus. Genauso wenig wie die Kritik an der Politik der US-Regierung Antiamerikanismus ist. Antiamerikanisch sind jene, die meinen, dass alle Amerikaner so sind wie Bush.

Ich bin US-Amerikaner. Ich habe in der Bürgerrechtsbewegung und mit den Black Panthern gekämpft. Glücklicherweise kann ich mit Bush nicht verwechselt werden. Ich möchte aber auch nicht mit Colin Powell oder Condoleezza Rice verwechselt werden.

Antisemitisch sind jene, die jüdischen Friedenskämpfern unterstellen, sie würden das Judentum verraten. Die jüdischen Friedenskämpfer kämpfen für ein besseres Israel, das in Frieden und Freundschaft mit einem palästinensischen Staat leben kann.

Die jüdischen Friedenskämpfer von heute stehen in der Tradition der amerikanischen Juden, die während unseres Bürgerrechtskampfes auf unserer Seite standen und für ein besseres Amerika gekämpft haben.

Die Gleichsetzung aller Juden mit Scharon und seiner Politik ist Antisemitismus. Scharon ist nicht nur der Feind der Palästinenser, er ist der eigentliche Feind Israels.

Immer mehr Juden wenden sich öffentlich gegen die Instrumentalisierung der Geschichte. Jüdische französische Intellektuelle erklärten:

"Unter dem Vorwand, im Namen aller Juden weltweit zu sprechen, missbrauchen die israelische Regierung und die Sprecher jüdischer Organisationen die kollektive Erinnerung an den Völkermord an Juden und veruntreuen das historische Erbe. Wir antworten: Nicht in unserem Namen!"

Es geht hier nicht um Judentum und nicht um Juden, sondern um die verbrecherische Politik der israelischen Regierung. Es geht nicht um Palästinenser versus Juden - es geht nicht um pro-palästinensisch und anti-israelisch. Es geht um Recht und Unrecht. Es geht auch nicht um das Existenzrecht Israels. Es geht um Israels Nichtanerkennung seiner eigenen Grenzen, des Völkerrechts und der Rechte der Palästinenser.

Die Existenz Israels ist eine Folge des deutschen Faschismus. Israelische Rechtsextremisten, wie Scharon, versuchen ihre Expansionspolitik mit dem Holocaust zu legitimieren. Die Palästinenser sind deshalb Nachfolgeopfer des deutschen Faschismus.

Jene Deutsche, die meinen, mit Israel uneingeschränkte Solidarität üben zu müssen, ermutigen diese israelischen Rechtsextremisten in ihrer Vernichtungspolitik gegen ein anderes semitisches Volk, das palästinensische Volk. Nicht-Juden und Juden, die den Staatsterrorismus Scharons verteidigen, müssen sich fragen lassen: warum sollen für das Leid, das Deutsche Juden angetan haben, Palästinenser zahlen?

Der Widerstand gegen die Verbrechen Israels wächst in Israel und weltweit. Am letzten Wochenende fanden große Protestaktionen statt, nicht nur in den arabischen Staaten, sondern selbst in Israel, den USA und in vielen Städten Europas.

In allen größeren Städten Frankreichs gingen Zehntausende auf die Straße. Mehr als 50 französische Organisationen, Parteien und Gewerkschaften, hatten zur Großdemonstration in Paris aufgerufen. Fast 50.000 kamen.

Wie auf den Straßen in Frankreich, in den USA, in Israel, müssen wir gemeinsam - Israelis, Deutsche, Franzosen, Amerikaner - Christen, Juden und Muslime - an der Seite unserer palästinensischen Schwestern und Brüdern fordern:

Sofortiger Rückzug aus den besetzten Gebieten und Auflösung der Siedlungen!

Schluss mit dem Terror gegen die palästinensische und israelische Bevölkerung!

Für ein Palästina an der Seite Israels in gesicherten, anerkannten und respektierten Grenzen!

Für einen gerechten Frieden in Nahost!